Chronik des Turnvereins Pflugfelden 1907 e.V.

Kaum eine Chronik von Turnvereinen mit Tradition kommt ohne einen Bezug auf Turnvater Ludwig Jahn aus. Seine Spuren sind natürlich auch in der Geschichte des inzwischen 100 Jahre jungen Turnvereins Pflugfelden zu finden. In seinem Buch „Deutsche Turnkunst“ hielt Jahn Anleitungen zu volkstümlichem Turnen und Spielen fest. Turnen im Jahn’schen Sinne ist nicht nur Geräte- und Bodenturnen. Turnvater Jahn verstand darunter mehrheitlich Bewegungsübungen und Gymnastik. In dem von ihm (zusammen mit Ernst Eiselen) verfassten Werk werden, mit vielen Teilübungen, Gehen, Laufen (Rennen), Schlängellauf, Zickzacklauf, Springen (verschiedene Arten), Schwingen, Schweben, Reckübungen, Barrenübungen, Klettern, Werfen, Ziehen, Schieben, Heben, Tragen, Strecken, Ringen, Sprung im Reifen, Sprung in die Seile, Turnspiele usw., also ein weites Feld von Bewegungsübungen, die weit über den Umfang des heutigen Turnen hinausgehen, dargestellt. So sahen die sportlichen Aktivitäten des Turnvereins in seinen Anfängen wesentlich anders aus als das aktuelle Angebot der Turnsparte. Vom Tauziehen zu Aerobic, vom Gewichtestemmen zum Chearleading. Wahrlich, der Sport lebt und im TVP kann man Sport erleben!

Gründung

Man darf vermuten, dass die Gründer des Turnvereins Pflugfelden an dem fröhlichen, geselligen und natürlich Jakob Eisenhardtsportlichen Tun der heutigen TVP'ler ihre helle Freude hätten. Als Jakob Eisenhardt und der Oberturnwart im Schillergau, Heinrich Jäckle, die Vereinsgründung in Pflugfelden anregten, fanden sie die Unterstützung von 16 weiteren jungen Männern. Sie hatten weder Turnkleidung noch Geräte, geschweige denn einen Platz oder Raum für ihre turnerischen Aktivitäten. Der Start war also sicher nicht einfach. Engagement und Idealismus brachte die kleine Gruppe von Mitgliedern vorwärts. Bald hatten die Turner eine Wiese am Asperger Weg.

Schon in der Chronik zum 75-jährigen Bestehen des TV Pflugfelden wurde Folgendes festgehalten: Die Geräte mussten aus dem Dorf zum Platz getragen und jeweils wieder zurückgebracht werden. Diese Arbeit nahmen die begeisterten Turner aber gern auf sich. Später zog der Verein in einen Bierkeller um, den sich die damals noch bestehende Brauerei an der Straße nach Möglingen (wo heute die Autobahnauffahrt ist) angelegt hatte. Hier ging der Turnbetrieb lange Jahre „unter Tage“ vor sich. Schon 1908 nahm der Turnverein am Gauturnfest teil.

1909 weihte der TVP seine Standarte. Pflugfelden hatte damals rund 600 Einwohner. 1910 wurde Wilhelm Holzwarth 1. Vorsitzender. Die erste „Turnhalle“ konnte sich der TVP nach dem Ersten Weltkrieg erstellen. Die Stadt Ludwigsburg stellte dem Verein 1920 eine 10 Ar große Wiese zur Verfügung, an deren Rand ein bescheidener Holzschuppen, 6 mal 8 Meter groß, als Turnraum gebaut wurde. Den Turnbetrieb leiteten damals Gotthilf Straub und Hermann Würth. Die beiden Turner sind auf einem Bild von 1913 zu sehen, das die erfolgreiche Riege des TV Pflugfelden zeigt, die am Gauturnfest in Ludwigsburg teilnahm.

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Fahnenweihe

Aus dem Protokollbuch dFahnenweiheer Kirchengemeinde Pflugfelden ist zu entnehmen, dass der Turnverein Pflugfelden durch seinen ersten Vorsitzenden Wilhelm Holzwarth (1910 – 1940) die Bitte vorgebracht hat, dass am Sonntag, dem 30. Mai 1926, die Vereinsfahne in der Kirche geweiht werden solle. Durch die Fahnenweihe brachten die Turner zum Ausdruck, dass Leib und Seele zusammengehören. Darauf bauten die Mitglieder ihren Fahnenspruch auf: „Den Blick empor, geradeaus den Pfad, gut Heil!“ und den Leitspruch aller Turner: „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei!“. Die sportlichen Aktivitäten des TVP beschränken sich von Anfang an nicht nur auf die Turnerei. Mit Erfolg wurde auch Faustball gespielt. Anfang der dreißiger Jahre wurde die Männerdomäne der Turner aufgebrochen. Das Frauenturnen wurde unter der Leitung von Gotthilf Saub in das Angebot aufgenommen. Landes- und Gauturnfeste wurden von den Turnern und Faustballern regelmäßig besucht. So ist noch bekannt, dass 1939 beim Landesturnfest in Ludwigsburg 40 Turnerinnen und Turner aus Pflugfelden ins neue Jahnstadion einzogen. Der Zweite Weltkrieg unterbrach die weitere Entwicklung des TVP. Schülerturnen und Jugendfaustball wurden allerdings weiterbetrieben. Ein stolzer Erfolg in jener Zeit war die Württembergische Faustball-Jugendmeisterschaft für den TV Pflugfelden, errungen auf dem Burgholzhof in Bad Cannstatt.

 

Verbot und Neugründung

1945 nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Verein verboten. Als dann 1946 Friedrich Jakob die Geschicke des TVP in die Hand nahm, war ein neuer Anfang in Sicht. Er stellte bei der Militärregierung einen Antrag auf Neugründung, der am 12. März 1946 genehmigt wurde.

Die Jugend verlangte nun nach Neuem, nach Ballspielen. 1947 wurde eine Handballabteilung gegründet. Im Jahre 1949 kam Fußball dazu. Der Mitgliederzuwachs machte klar, dass die kleine Holzhütte und der viel zu kleine Platz nicht mehr ausreichten. Gustav Dokkenwadel, der 1951 1. Vorsitzender wurde (bis 1955), ging mit den Mitgliedern entschlossen an die Erweiterung des kleinen Rasenplatzes und eine Turnhalle wurde mit vielen Eigenleistungen und Spenden von TVP- Mitgliedern erstellt.

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Protokoll der Neugründungsversammlung am 13. April 1946

Ära Blickle

1956 wurdeEgon Blickle Egon Blickle 1. Vorsitzender des TV Pflugfelden. Die TVP-Mitgliederzahl stieg in seiner Vorstandszeit ständig an. Viele neue TVPler kamen aus der Südweststadt und der Weststadt zum Verein. Egon Blickle erreichte deshalb, dass die Stadt Ludwigsburg 1959 und 1960 die Turnhalle erweiterte. Ein Anbau mit Umkleide- und Sanitärräumen nebst Garderobe sowie eine Gaststätte mit ca. 60 Sitzplätzen und einer Terrasse ergänzte die Vereinsanlage. Durch diese Baumaßnahmen war nun der Sportplatz zu klein geworden, weshalb 1960 seine Verlegung nach Süden angegangen wurde. Im Juni 1961 konnte der Sportplatz seiner Bestimmung übergeben werden.

Nachdem 1969/70 noch ein Hartplatz mit fünf 100Meter- Bahnen erstellt wurde, war eine Vereinsanlage entstanden, die lange Jahre dem stetig wachsenden Verein angemessene Heimat war.

1968 waren im TVP 16 Hand- und Fußballmannschaften, 2 Faustballmannschaften, 2 Betriebssportgruppen, die Frauengymnastik und 120 turnende Kinder aktiv. Diese Größe wurde unter anderem dadurch erreicht, dass 1961 mit Frauenhandball im TVP begonnen wurde und 1964 auch der weibliche Jugendhandball in den Spielbetrieb einstieg.

Bau der Kegelbahn

Ein Projekt, das dem Turnverein eine wichtige Einnahmequelle erschloss, war 1973/74 der Bau einer Kegelbahn. Es sollte nicht vergessen werden, dass hier mit großem Einsatz von Mitgliedern die Hälfte des Aufwands durch Eigenleistung gestemmt wurde. Wie so oft in der Geschichte des Vereins, wurde mit vorbildlichem Idealismus etwas für den Gemeinnutz geschaffen.

1981 wurde im Turnverein eine Volleyballgruppe gebildet. 1982 kam Tischtennis in das Sportangebot, das allerdings nur kurze Zeit betrieben wurde. Als der Turnverein Pflugfelden 1982 sein 75jähriges Bestehen feierte, hatte er schon 805 Mitglieder. Die Sportanlagen, die auch von der Grundschule Pflugfelden genutzt wurden und werden, kamen an ihre Grenzen. Auf Antrag des Stadtteil-Ausschusses Pflugfelden entschied sich der Gemeinderat 1984 für den Bau der neuen Sporthalle mit den Maßen 22 mal 45 Meter. Der Entscheidung ging ein über 10 Jahre dauernder Streit um den richtigen Standort voraus. Die Entscheidung war der Auftakt für eine fast vollständige Umgestaltung der Vereinsbauten.Roland Glasbrenner Egon Blickle, der 1. Vorsitzende des Vereins, hatte damit mit viel Einsatz die Weichen für einen modernen, gut ausgestatteten Verein gestellt. 1987 endete eine 31-jährige, bewegte Amtszeit. Egon Blickle, dem verdientermaßen viele Ehrungen zuteil wurden, übergab sein Amt an Roland Glasbrenner, den die Hauptversammlung als seinen Nachfolger wählte. Egon Blickle wurde auf Grund seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. Am 1. Juli 1987 hat sich der Tanzsportclub Rot- Gold als neue Abteilung dem TVP angeschlossen. Damit kam eine neue Sportart in die Vereinsfamilie.

Turnen wird „selbstständig“

Anfang 1988 wurde dann das Turnen „selbstständig“. Bisher unter dem Dach des Hauptvereins, entschloss man sich zur Bildung einer eigenständigen Abteilung. Am 24. Oktober 1988, 1. Spatenstich, begann dann der Bau der neuen Sporthalle. Am 13. Oktober 1990 wurde deren Einweihung gefeiert. Ein Termin, dem zum Beispiel die Handballabteilung lange entgegengefiebert hat, konnte sie doch ab sofort echte Heimspiele in der Halle austragen. Stolz konnte der TVP darüber berichten, gab es doch dazu seit September 1988 eine eigene „Vereinszeitung“. Im vierteljährlichen Rhythmus erscheint seitdem das CLUB MAGAZIN und informiert die Pflugfelder und die Bürger der angrenzenden Weststadt über das Vereinsgeschehen und mehr.

1000 Mitglieder

Das CLUB MAGAZIN konnte 1989 auch stolz vermelden, dass der TVP inzwischen sein 1000. Mitglied aufgenommen hat. Der Verein wuchs und wuchs. Seine Größe konnte der TV Pflugfelden ab 1991 auch beim Pflugfelder Dorffest demonstrieren. Seither ist er, mit seinen Abteilungen, wesentlicher Bestandteil dieses jährlichen Festes, das sich im Reigen der regionalen Straßenfeste fest etabliert hat. Der TVP präsentiert sich hier nicht nur von seiner sportlichen Seite, sondern zeigt, dass man es in einer gesunden Vereinsfamilie auch versteht, Feste zu feiern.

Nicht nur eine optische Aufwertung, sondern auch vom sportlichen Nutzen zweifellos eine Verbesserung, ergab sich durch die vollständige Neuanlage des Rasenplatzes in den Jahren 1991/92. Als dann 1992 das betagte Vereinsheim und die alte Turnhalle abgerissen wurde, konnte mit dem Bau eines neuen, modernen Vereinsheims und der Errichtung der Städtischen Bürgerhalle begonnen werden. Das Großprojekt wurde 1993 feierlich eingeweiht. Erstmals hatte man den Eindruck, der TVP sei fertig. Es präsentierte sich ein Ensemble von Bauwerken und Anlagen, die eine harmonische Einheit bildeten. Die Geschichte des TVP war damit aber doch noch nicht geschrieben. Die Entwicklung ging in jeder Beziehung weiter.

Fusion mit Tennisclub

Seit 1975 gab es in Pflugfelden den TC Grün-Weiß Pflugfelden. Der Tennisclub hatte seine Anlage Tür an Tür mit dem Turnverein. Von den über 200 Mitgliedern, auf die der Tennisclub bis 1992 angewachsen war, standen mehr als die Hälfte auch in den Mitgliederlisten des TVP. Nach jahrelangen Verhandlungen wurde der Tennisclub zum 31.12.1992 aufgelöst und ging fortan als Abteilung des TV Pflugfelden seinen Weg.

Weitere Mitgliederzuwächse brachten den TV Pflugfelden im Jahre 1997 schon auf über 1500 Mitglieder. Auch das sportliche Angebot im TVP erfuhr noch weiteres Wachstum. Im Jahre 1998 wurde eine Karateabteilung gegründet, deren Aktive seither das Vereinsleben bereichern.

Im Jahre 2000 endete eine bewegte Amtszeit mit sportlichen Entwicklungen und umfangreichen baulichen Maßnahmen. Roland Glasbrenner übergab sein Amt als 1. Vorsitzender an Hans-Ulrich Hahn. Eine seiner ersten Aufgaben war die Einrichtung einer Geschäftsstelle. Die Größe des Vereins, die zunehmenden Aufgaben im Verwaltungsbereich und die steigenden Belastungen des Ehrenamtes machten diese Maßnahme erforderlich. Sie war, wie sich heute überzeugt feststellen lässt, richtig und der Entwicklung des Vereins förderlich. Ein Grund für den Erfolg war dafür sicher auch, dass man mit Uschi Hüther, der Abteilungsleiterin der Turnsparte, eine Idealbesetzung für die Leitung der Geschäftsstelle fand. Der TVP hat mit der Eröffnung der Geschäftsstelle außerdem eine zentrale Anlaufstelle für seine Mitglieder geschaffen.

Diese Chronik könnte den Eindruck vermitteln, dass Bauen ein Vereinszweck im TV Pflugfelden ist. Sicher ist dies nicht so. Die Vereinsanlage muss aber ohne Zweifel mit dem sportlichen Wachstum Schritt halten oder aber Raum für Wachstum schaffen. Über sportliche Entwicklungen wird an anderer Stelle dieser Festschrift von den Abteilungen berichtet.

Geschäftsstelle und „Tennishütte“

Tennishuette GeschaeftsstelleDer Hinweis auf Bautätigkeiten soll die Brücke schlagen zu den letzten größeren Baumaßnahmen auf dem Vereinsgelände. 2003 wurde der Beschluss gefasst, der Tennisabteilung eine neue „Hütte“ zu erstellen und gleichzeitig die Geschäftsstelle, die immer häufiger in Anspruch genommen wurde, in einem angemessenen Raum unterzubringen. 2003 konnte auch zur großen Freude der Fußballabteilung der Kunstrasenplatz eingeweiht werden. Er ersetzt nun den roten Tennenplatz, der viele Jahre seinen Dienst tat. An dieser Stelle ist es angebracht, der Stadt Ludwigsburg zu danken, die erneut die Entwicklung des Vereins unterstützt hat.

Die neue zweckmäßige und repräsentative Geschäftsstelle, kombiniert mit dem „kleinen Vereinsheim“ der Tennisabteilung, wurde am 26.6.2005 eingeweiht und in Betrieb genommen. Damit ist ein weiteres zukunftsfähiges Element entstanden, das auch weiteres Wachstum verkraften sollte. In diesem Sinne für die Zukunft gewappnet sieht sich auch die Fußballabteilung, hat sie doch seit 2005 eine neue „Grillhütte“ am Spielfeldrand. Wollen wir hoffen, dass viele Zuschauer, die attraktiven Sport im TVP erleben dürfen, sich als Gäste dieses Imbissstandes so wohl fühlen wie heute rund 2000 Mitglieder im Verein.

Irgendwie kommen an dieser Stelle Erinnerung, zweifellos der Kern einer Chronik, auf. Die „Grillhütte“ steht nur wenige Meter vom Standort der 6 mal-8-Meter-Hütte des Jahres 1920. Die Größe weicht nicht wesentlich vom bescheidenen Bauwerk der frühen Jahre ab. Erstellt wurde die „Grillhütte“ in Eigenleistung, wie seinerzeit die „Heimat“ der Turner. Dies zeigt, was unter dem Dach eines Vereins geleistet wird, mit viel Idealismus, für die Gemeinschaft und ohne bei jeder Gelegenheit nach einer Belohnung zu fragen.

Die Chronik sollte aber nicht mit einem „toten Bauwerk“, sondern unbedingt mit Sport und Sportlern enden. Schön, dass vor zwei Jahren ein neues Pflänzlein im TV Pflugfelden aufkeimte. Seither wird Mädchenfußball gespielt. Wünschen wir den Spielerinnen ein kräftiges Wachstum, viele Erfolge und dass sie im TVP viel Sport erleben dürfen, wie seit 1907 Generationen vor ihnen.

Heinz Schopf

TennisplatzTennisplatz

SporthalleSporthalle

GrillhuetteGrillhütte